Energie

& innere Stärke

Ein einfaches Prinzip des Lebens lautet: «Energy flows, where attention goes.» Die Energie fliesst dorthin, worauf du deine die Aufmerksamkeit richtest.

Lust auf ein kleines Experiment?

 

Morgens klingelt dein Wecker und du würdest am liebsten weiterschlafen – doch ist der Gedanke liegenzubleiben stärker, als die innere Stärke aufzustehen. Du bist vielleicht in deinem Leben gerade im Umbruch: Kinder aus dem Haus, Job ist nicht erfüllend, du bist schon länger Single oder in einer Partnerschaft, in der du dich nicht in deinem Wesen gehört oder gesehen erlebst, du fühlst dich allgemein gestresst, verwundbar oder lustlos deinem Leben mehr Würze zu verleihen. Warum dann nicht lieber gleich länger unter der Decke bleiben?

 

All diese Momente sind beeinflusst von deiner Aufmerksamkeit. Einerseits von deinen Gedanken, Sinneswahrnehmungen, Gefühlen, Sehnsüchten und Handlungen. Vielfach halten wir an den schwierigen Erfahrungen lange fest auch zu lange und lassen die guten rasch an uns vorbeiziehen. 

 

 Zum Experiment: 

  • Erinnere dich an etwas, das dir ganz viel Freude in letzter Zeit bereitet hat.

  • Versetze dich mit deiner Körperhaltung, deinem Gang, mit deinen Gedanken und Gefühlen wieder voll in diese Situation zurück. Gell, es geht dir gut, ja?

  • Nimm nun einen Moment, der schwierig in den letzten Wochen war.

  • Hole das Bild und das Gefühl so richtig zu dir her. Und schau, was mit deiner Körperhaltung passiert. Er zieht sich zusammen, deine Schulter fallen nach vorne, oder?

  • Achte nun darauf, was passiert, wenn du deinen Körper wieder aufrichtest: Was passiert mit deiner Stimmung und deinen Gedanken? Ja, genau. Sie verändern sich wieder zum Guten! 

Schon von Embodiment gehört?

Das sich deine Stimmung und deine Gedanken über eine Veränderung der Körperhaltung verändern, hat mit der Wechselwirkung zwischen Körper, Geist und Stimmung zu tun. Genaueres findest du im Bereich «Embodiment» 

darüber (Link). Wir können also unseren Geist und unser Wohlbefinden mit einer ganz einfachen Änderung in der Körperhaltung verändern! Und stell dir mal vor, was passiert erst Recht, wenn du tanzt? 

Was haben wir im Verlaufe des Lebens vergessen?

Wir halle haben unsere Schwächen und Empfindlichkeiten. Ich persönlich würde mir wünschen, nicht so schnell genervt und weniger selbstkritisch zu sein. Die Herausforderungen in unserem Leben sind unbegrenzt, angefangen von kleinen Ärgernissen wie unterbrochenen Handyverbindungen bis hin zu unausweichlichen Tatsachen wie Alter, Krankheit und Tod. Es braucht viel innere Stärke, um den äusseren Herausforderungen sowie den eigenen Unzulänglichkeiten zu begegnen. 

 

Was wir im Verlaufe des Lebens vergessen haben, ist, dass wir nicht rein nur aus Körper, Gedanken und Gefühlen bestehen. Wir besitzen auch feinstoffliche Bahnen und Ebenen im und um den Körper, welche auch das physische und psychische Gleichgewicht der Menschen wieder herstellen. Bereits in alten indischen Schriften, den Upanishaden wird von den feinstofflichen Energie- oder Körperhüllen berichtet. Wir sprechen dabei von der Aura oder den Chakren. 

Sobald wir begreifen, wie Energie im weiblichen Körper wirkt, können wir die Sprache des Körpers entziffern.

«Schau hinter die Oberfläche der Dinge deine Kleider, Toaster, Philosophien, dein Haut du wirst ein ganzes Universum schwirrender zarter Energien ausmachen. Obwohl wir nicht genau wissen, was diese Energien bewirken oder wie sie es machen, wissen wir doch, dass sie „da“sind, hinter allem Greifbaren stehen. Sie schaffen dich.» 

Cyndi Dale, «The Subtle Body: An Encyclopedia of Your Energetic Anatomy»

Verabschiede dich vom Dunklen, Leeren

Kommen wir zunächst zur Aura zurück. Sie ist das individuelle Energiefeld, welches den Körper umgibt und durchdringt.

So lange der Mensch lebt, durchströmt ihn Lebensenergie, welche sich über die Energiezentren (Chakren) sowie unzähligen Meridianen und Energienetze im ganzen Körper verteilt. TCM, Ayurveda und Yoga beschäftigen sich schon sehr lange damit, jedoch auch die Homöopathie und Kinesiologie, sowie auch die Tanztherapie. Das Energiesystem des Körpers verändert sich ständig. Unverarbeiteter chronischer psychischer Stress in einem bestimmten Lebensbereich macht sich im Energiefeld als Störung bemerkbar, die sich dann in physischer Krankheit manifestieren kann. Wenn wir uns ständig über einen Menschen ärgern, der uns verletzt hat, dann ist ein Teil unseres Geistes damit gebunden und steht für etwas Heilsames nicht zur Verfügung. 

 

Energieverluste sind oft unbewusst, können aber, wenn sie anhalten, zu physischen Beschwerden führen. Um gesund zu bleiben, ist es sinnvoll, darauf zu achten an welchen Stellen wir im Leben Energie verlieren. Das geht oft am besten abends beim Zubettgehen. Achte zunächst einfach darauf, woran du denkst, worüber du dir Sorgen machst und wo du dich zwanghaft verhältst. Welche Gedanken, Gefühle, Ereignisse oder Menschen gehen dir nicht aus dem Kopf? Gibt es zwanghafte Gefühle oder Gedanken? Gegen wen oder was hast du einen Groll? Hole dann zuerst deinen Geist aus dieser Bindung zurück, vor allem wenn es nicht zu deinem Besten ist. Hier ist es bereits möglich, dich an deine innere Stärke zu erinnern. 

 

Die meisten Blockierungen im Energiesystem sind emotionaler Natur. In unserer westlichen Kultur, die die Abspaltung des erwachsenen rationalen Wissens von der emotionalen Wirklichkeit und den emotionalen Bedürfnissen lehrt, ist es durchaus möglich, dass man einen Doktortitel hat und gleichzeitig emotional auf der Ebene einer Zweijährigen stehengeblieben ist. Die Gefühle, die nicht ausgedrückt und nicht zugegeben werden, bleiben im Energiesystem «hängen», während Gefühle, die wahrgenommen und ausgedrückt werden, durch das Energiesystem hindurchfliessen und keinen «unerledigten» Rest hinerlassen. Wenn blockierte Gefühle zum Ausdruck kommen und befreit werden, müssen wir jedoch auch anerkennen, dass wir keine Kinder mehr sind. Es wird dann Zeit, dass das erwachsene Selbst die Führung in unserem Leben übernimmt. 

 

Was Chakren sind und was sind ihre Aufgaben?

Chakren sind die Organe des feinstofflichen Energiesystems, die mit bestimmten Körperteilen in Verbindung stehen.

Das Wort Chakra kommt aus dem Sanskrit und bedeutet „Rad des Lichts“. Jeder Mensch, ob Mann oder Frau, hat dieselben Chakren, die jeweils bestimmten psychischen Bereichen zugeordnet sind. Diese Energiezentren verbinden Nerven, Hormone und Gefühle. Sie sind parallel zum neuroendokrinen Immunsystem des Körpers angeordnet und dienen als Bindeglied zwischen der energetischen und physischen Anatomie. Die bewusste Arbeit mit den Chakren, sei es durchs Tanzen, Bewegen, Meditieren, Malen und Singen kann dazu beitragen, die Beziehung zwischen Geist und Körper zu stärken und heilsames zu bewirken. 

 

Es gibt 7 Chakren. Und jedes der sieben Chakren des menschlichen Körpers ist mit einem spezifischen Organ und einem emotionalen Zustand, aber auch mit einer bestimmten Art von Furcht und emotionaler Unsicherheit verbunden. Alle 7 Chakren sind miteinander verbunden. In jedem Chakrabereich gibt es zwei grundlegende Polaritäten oder Extreme und es ist unsere Aufgabe zu lernen, ein gesundes Gleichgewicht zwischen den beiden Extremen des emotionalen Ausdrucks zu finden.

Welche Themen sind in den unteren drei Chakren verborgen?

Die drei unteren Chakren beziehen sich auf das physische Leben, auf Menschen, Ereignisse, Erinnerungen und physische Objekte aus Vergangenheit und Gegenwart. Diese drei Zentren sind untrennbar miteinander verbunden und in ständiger Interaktion.

 

Das erste Chakra wird davon beeinflusst, wie sicher und geborgen wir uns in der Welt fühlen und wie gut wir Vertrauen und Misstrauen, Unabhängigkeit und Abhängigkeit, Alleinsein und Leben in der Gruppe in Einklang bringen können. Das betrifft auch das Gleichgewicht zwischen Furchtlosigkeit und Zulassen der eigenen Ängste.  Der Bereich des ersten Chakras wird buchstäblich davon bestimmt, wie sehr wir uns der Erde und irdischen Prozessen verbunden fühlen. Da das Fundament für das Gefühl der Geborgenheit in der Regel in der Kindheit gelegt, wird, in der wir lernen, ob die Welt ein sicherer Ort für uns ist oder nicht, 

Im zweiten Chakra finden wir die Frage nach unseren Beziehungen. Sind wir abhängig oder unabhängig? Werden wir von anderen gebraucht oder brauchen wir andere? Sind wir in Beziehungen der gebende oder der nehmende Teil? Knüpfen wir Bedingungen an das, was wir geben? Können wir annehmen und Unterstützung akzeptieren? Unterleib und Geschlechtsorgane werden mit dem zweiten Chakra in Verbindung gebracht. In diesem Chakra geht es ganz fest um die Wahrnehmung unserer eigenen Bedürfnisse und das Vertrauen, diese auch als Bitte dem Gegenüber äussern zu können. 

Das dritte Chakra betrifft Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen und Selbstachtung sowie einen Sinn für Verantwortung oder, anders formuliert, die Frage nach dem Verhältnis von Minderwertigkeitsgefühlen und Selbstbewusstsein im Bereich Arbeit und Leistung. Sind wir zu verantwortungsbewusst oder verantwortungslos? Aggressiv oder defensiv? Verteidigen wir unseren Eigenraum oder fühlen wir uns in einer Falle, aus der wir fliehen wollen? Machen wir uns bei der Arbeit zu sehr von Grenzen abhängig oder haben wir andere Probleme mit Grenzen? 

Welche Probleme können in den unteren drei Chakren auftauchen?

Unverarbeitete Probleme verkörpern sich im ersten Chakra, die mit der Familie und mit dem physischen Überleben, also z. B. mit Haus, Familie, Geschlechtsidentität und Rasse, verbunden sind. Weitere können sein, dass Frau sich nicht zugehörig fühlt, sondern sich viel als alleine und das Gefühl von nicht versorgt zu sein ganz stark empfindet. Im zweiten Chakra zeigen sich Schwierigkeiten, dass Frau sich nicht gehört fühlt und sich häufig in der Spirale von Schuldzuweisung und Selbstkritik befindet. Alles, was mit schwacher oder zu starker Leistungsfähigkeit und Kompetenz, sowie Minderwertigkeit in der Aussenwelt zu tun hat, sind dem dritten Chakra zugehörig. Sowie der Fähigkeit, Verantwortung für das eigene Leben und die eigenen Entscheidungen zu übernehmen bzw. an andere zu delegieren. 

«Schau hinter die Oberfläche der Dinge – deine Kleider, Toaster, Philosophien, dein Haut – du wirst ein ganzes Universum schwirrender zarter Energien ausmachen. Obwohl wir nicht genau wissen, was diese Energien bewirken oder wie sie es machen, wissen wir doch, dass sie „da“sind, hinter allem Greifbaren stehen. Sie schaffen dich.»

 

Cyndi Dale, «The Subtle Body: An Encyclopedia of Your Energetic Anatomy»

Welche Themen zeigen sich im vierten Chakra? 

Dieses Chakra hängt mit der Fähigkeit zu emotionalem Ausdruck und echter Partnerschaft zusammen, in der beide Teile gleich stark und gleich verletzlich sind. Geben und Nehmen ist in Balance. Emotionaler Ausdruck braucht ein abgestimmtes Verhältnis von Wut und Liebe, Freude und Ernst. Kann Frau in der einen Situation gelassen und in einer anderen ihre Gefühle „rauslassen“? Schafft Frau es, in der Partnerschaft Nähe und Alleinsein ins Gleichgewicht zu bringen? Kann Frau andere umsorgen und von anderen umsorgt werden? Kann Frau sich selbst und andere lieben und die eigene oder oder fremde Zuwendung annehmen? Statt kalt, abweisend, kritisch oder nicht zufriedenzustellen zu sein? 

 

Was zeigt sich in den oberen drei Chakren?

Das fünfte Chakra hängt mit Kommunikation, Timing und Willen zusammen. Wenn es darum geht, der Aussenwelt deine Gefühle, Gedanken und Bedürfnisse mitzuteilen, redest du dann nur oder hörst du dir selbst und auch dem anderen zu? Ist dein Verständnis für andere stärker ausgeprägt als die Fähigkeit, dich auszudrücken? Und was das Timing angeht: Drängst du oder kannst du auch warten? 

» Mehr über das Thema Kommunikation erfährst du im Bereich Selbstwirksamkeit & Erfolg (Link)

 

Das sechste Chakra, das auch als drittes Auge bekannt ist, steht in Beziehung zu Wahrnehmung, Denken und Moral. Kannst du bei der Wahrnehmung der Aussenwelt einen klaren Blick bewahren, aber gleichzeitig Mehrdeutigkeiten aushalten? Gestattest du dir in bestimmten Momenten eine messerscharfe Konzentration und in anderen Entspannung und Unklarheiten? Weisst du, wann du für die Ideen anderer empfänglich sein musst und wann nicht? Kannst du dir Wissen ansammeln und trotzdem offen für all das bleiben, was du noch lernen musst? Kannst du anerkennen, dass es Gebiete gibt, von denen du keine Ahnung hast? Kannst du das rationale, logische Denken der linken Gehirnhälfte genauso würdigen wie das kreative, musische Denken der rechten? Bist du in deinen Denkprozessen starr, zwanghaft und grüblerisch oder denkst du flexibel? 

Das siebte Chakra hängt mit dem Erkennen des umfassenderen Lebenssinns sowie mit Einstellungen, Überzeugungen, Werten, Moral, Mut und humanitären Fragen zusammen. Hast du eine klare Vorstellung von deinen Zielen? Gibst du zu, dass du als Individuum die Macht hast, dein Leben selbst zu bestimmen, ohne deswegen die grösseren Kräfte im Universum zu leugnen? Kannst du mit dem paradoxen Wissen leben, dass du einerseits gewisse Ereignisse beeinflussen kannst, dass aber andererseits Dinge geschehen, die du nicht kontrollieren kannst, die du möglicherweise ablehnst, die aber letztlich einen Sinn haben, den du im Moment nicht nicht begreifst? 

Persönliches Wachstum ist ein natürlich angelegter Prozess in unserem menschlichen und weltlichen Dasein. Und wir wollen ja nicht nur Zuschauerin in unserem Leben sein, sondern aktiv das Steuer übernehmen.

Dabei ist es einerseits unerlässlich, dass wir auch beginnen, immer mehr in unserem Körper anwesend zu sein. Denn dies bietet uns die Gelegenheit, auf ganz neue Weise mit unseren Gefühlen umzugehen. Gefühle sind nicht eine zersetzende Beeinträchtigung unseres inneren Friedens oder unseren Beziehungen. Gefühle sind dazu da, uns zu helfen, das eigene Leben voll zu spüren und voll daran teilzuhaben. 

 

Wir fühlen uns gut, sobald unsere Bedürfnisse nach Ruhe, Akzeptanz und Annahme (einfach als Beispiele) erfühlt sind. Dann gedeihen wir. Wenn wir uns hingegen übergangen fühlen, verängstigt oder wütend, dann verspüren wir einen Mangel oder wissen nicht, wie wir unsere Bedürfnisse befriedigen sollen. 

Um sich der der inneren Stärke bewusst zu werden, muss frau ihren Gefühlen lernen zu vertrauen. Das ist nicht immer leicht, denn viele Frauen haben gelernt, so zu leben, als ob sie sich in einer permanenten Krisensituation befänden oder sie „glauben“, sie müssten ständig positiv und glücklich sein, weil sie es so gelernt haben. Aber auch Trauer und Schmerz gehören untrennbar zum Leben und können uns vieles lehren. 

 

Ich kenne heftige Gefühlsregungen sehr gut. Bei uns Zuhause wurden diese entweder dramatisch zum Ausdruck gebracht oder es wurde geschwiegen. Um nicht wie meine Familie zu werden, weil ich dieses ständige Hin und Her und Drama als Pubertierende als äusserst anstrengend erlebte, ich hatte genug schon mit mir zu tun!, lernte ich meine Gefühle zu beherrschen. Ich hatte meine Gefühle gut unter Kontrolle, wofür ich den Preis zahlte, abgeschottet und ausserstande zu sein, wirkliche Vertrautheit mit den Menschen in meiner Nähe zu erleben. Doch das Leben hatte anderes mit mir im Sinn. Ich hatte immer wieder Beziehungen, die mich an meinen Schmerz erinnerten: dass ich nämlich trotzdem auch Gefühle habe. Um Antworten zu finden, wie ich denn mit all dem Schmerz umgehen konnte, besuchte ich Seminare und Weiterbildungen bei denen ich regelrecht durchgespült worden bin. Ich erlebte Kummer, Wohlgefühle, Wut und Freude innerhalb kurzer Zeit und fühlte mich nach all den Seminaren stets neugeboren. Ich fühlte immer mehr ein wiederholendes JA zum Leben. Ich fühlte meine Freiheit und war offen. Ich durfte immer wieder die Erfahrung machen, wenn ich mich für den emotionalen Schmerz öffnete, konnte ich tiefe Liebe spüren. Ich verstand, dass es schlussendlich darum geht, um Verantwortung für das unbändige Spektrum von Gefühlen übernehmen zu können, es wichtig ist, in der Essenz dieser Gefühle verweilen zu können und ihnen zu erlauben, in sicherer Obhut meiner eigenen Präsenz zu fliessen. 

«Im Tanzen und in meiner Arbeit geht es vielmehr darum, sich allen Gefühlen gegenüber zu öffnen und sie als Energiewelle willkommen zu heissen, statt sich in Angst und Widerständen zu verkrampfen und aufzureiben. Im Tanzen und in der Stille können wir beobachten, wie Gefühle kommen und gehen, und dabei lernen, dass sie nicht unser Wesenskern sind. Wir ermöglichen den Gefühlen, durch uns zu fliessen, und erleben sie schlicht als das, was sie sind: eine Energieladung, die sich bewegt. So können wir eine wohlwollende Beziehung zu unseren eigenen Gefühlen und zu denen anderer entwickeln. Wir müssen nicht immer alles aus der Vergangenheit durcharbeiten und verstehen, woher das Gefühl kommt, welche Ursache es hat oder wie wir sie am schnellsten wieder loswerden. Sondern wir können lernen, ganz aufgeschlossen gegenüber unseren Gefühlen zu sein, weil sie einfach zum menschlichen Dasein gehören.»
Irina Katinka Horvath

DAS GASTHAUS

Dieses menschliche Dasein ist ein Gasthaus. Jeden Morgen ein neuer Gast.

Freude, Depression und Niedertracht – auch ein kurzer Moment von Achtsamkeit kommt unverhofft als Besucher.

Begrüsse und bewirte sie alle!

Selbst wenn es eine Schar Sorgen ist,

die gewaltsam dein Haus

seiner Möbel entledigt,

selbst dann behandle jeden Gast ehrenvoll. Vielleicht reinigt er dich ja

für neue Wonnen.

Dem dunklen Gedanken der Scham und Bosheit - begegne ihnen lachend an der Tür

und lade sie zu Dir ein.

Sei dankbar für jeden, der kommt,

denn alle sind zu deiner Führung geschickt worden aus einer anderen Welt.

Rumi, Sufi-Dichter aus dem 13. Jahrhundert

 

Nicht die Gefühle sind das Problem, sondern die Art und Weise, wie wir über sie denken und mit welchen negativen Erfahrungen wir sie verknüpfen. Für einige Frauen bedeutet es einen immensen Kraftaufwand, gewisse Gefühle fortzuschieben und andere herbeizuwünschen und sich dabei so sehr in ihnen zu verfangen, dass sie zum Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens werden. Dabei ist die Denkweise, die alles in „Richtig oder Falsch“ einordnet, die Wurzel des Leidens. Es ist unser Widerstand gegenüber der Wut und das Sich-Verschliessen angesichts der Wut, was die Wut so zerstörerisch machen - es ist nicht die Wut als solche. Statt gegenwärtig im Körper zu bleiben, einzuatmen und sich der Wut zu öffnen, unterdrücken wir sie - oder agieren sie aus, wodurch wir für uns und das Gegenüber eine Hölle schaffen. 

 

«Es geht im Leben nicht darum, Widerstand zu leisten, wenn schwierige Gefühle auftreten und sie negativ einzustufen, sowie auch nicht willkommene Gefühle zu versuchen, sie festzuhalten. Es geht darum sie Fliessen zu lassen und mit ihnen zu sein.»

Irina Katinka Horvath 

 

«Gerade in der Wut besitzen wir die Möglichkeit, deren zerstörerische Kraft in eine kreative Kraft umzuwandeln und in ein Geschenk aus Energie, um etwas zu bewegen, zu bündeln. Von einem Wuttanz in einen Muttanz zu kommen.»

Irina Katinka Horvath

 

Wir haben also den Tanz, die Bewegung, die Chakren, deine Gedanken und Gefühle. Alles lässt sich bewegen, nichts ist starr in dir. Auch wenn es sich vielleicht in dir manchmal ganz anders anfühlt. Für mich ist das bewusste Tanzen und Bewegen ein Weg, wie wir wieder mehr unseren Körper beheimaten können. Um in der Tiefe herauszuspüren, wer wir wirklich wirklich sind. Was uns stark macht und wer wir sind und sein können. 

 

Alles, was es von deiner Seite braucht ist deine Neugier und Offenheit, dich auf dein eigenes Mysterium deines Menschseins einzulassen. 

 

Kreatives Tanzen kann dich also dazu bringen, dir einen neuen Spielraum zu erschliessen und zu erweitern, der dir im Alltag oder in deiner gewohnten Weise, deine Schwierigkeiten zu sehen, nicht zugänglich ist. Für ein bewusstes und authentisches Leben im 21. Jahrhundert sind wir aufgefordert unserer kreativen Intelligenz mehr Aufmerksamkeit zu schenken und uns vielmehr als Teil eines Ganzen zu verstehen. Um insbesondere die globalen Herausforderungen besser lösen zu können.

Der kreative Ausdruck unseres Selbst in diese Welt ist ein Erwachen. Schöpferisch Sein, ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis, das unseren Lebenswillen ausmacht und unserem Streben nach Wachstum zugrunde liegt. Je stärker wir unser kreatives Selbst ausleben und ausdrücken, desto leichter finden wir mit allem, was uns ausmacht, ins Gleichgewicht. 

 

Wenn wir uns selbst finden, entdecken wir auch die Welt neu. 

 

Irina Katinka Horvath

«Wesentlich für die Kunst des Lebens ist die Fähigkeit, voll und ganz im Moment zu leben, sich auszudrücken, eine reife Beziehung zur Vergangenheit zu entwickeln und mit den gegensätzlichen Kräften in und um uns herum zu «tanzen».  
Daria Helprin, Was der Körper zu erzählen hat