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Wann ist es Zeit aufzuhören?

Wie gut kennst du deine eigenen Grenzen?

Wie nimmst du sie in deinem Körper, in deinen Gedanken, in deinen Gefühlen wahr?

Wie reagierst du auf sie?

Kennst du Situationen, in denen du eine günstige Gelegenheit zu deinem Vorteil nutzt, ohne Rücksicht auf Konsequenzen oder eigene Wertvorstellungen?

Von einem Shiny Object zum nächsten? Weil du nichts verpassen möchtest? Weil das Neue dich immer mehr fasziniert, als das Alte?

Oder hast du ein untrügliches Gespür dafür, was anderen wichtig ist und was sie hören wollen und bedienst das auch gern? So hängst du wie ein Fähnchen geschickt im Wind.

Passt dich wachsweich jedem System und jeder Situation an und scheinst dich irgendwie überall durchzumogeln?


Oder bist du jemand, die immer zuerst alles sorgfältig durchdenkt und innerlich abgleicht, konsequent an ihren Prinzipen, Idealen und Werten festhält, sehr auf Sicherheit und Stabilität bedacht ist und somit versucht alles zu kontrollieren? Fast schon im Helikoptermodus? Oder im Micro-Management, um andere sich von dir abhängig zu machen?


Diese beiden Aspekte in ihren Extremen führen uns mehr weg von uns statt hin zu uns. Im Ersteren jagen wir einem Dopaminkick nach dem anderen nach. Neues kann süchtig machen. Ebenso wie bei einer starken Kontrolle Cortisol ausgeschüttet wird, kurzfristig leistungsfähig macht und die Konzentration steigert. In beiden Fällen haben wir die vermeintliche Macht über etwas. Und dies lässt uns möglicherweise lebendig und stark fühlen.


Beides auch hier sind Polaritäten. Beides hat Daseinsberechtigung. Beides hat seinen Zyklus. Wie der Voll- oder der Neumond. Der Winter wie der Sommer.


Unser Gehirn, besonders das limbische System, welches unter anderem unsere gefühlsmäßige Reaktionen auf Umweltreize, sprich unsere Emotionen verarbeitet und kontrolliert, ist permanent in der Überwachung und Regulierung, ob und wieviel von welchem Hormon ausgeschüttet und wie auf Reize am Besten reagiert werden soll. Dabei bedient es sich am Liebsten alten Gewohnheiten, diejenigen mit dem sicheren Wert.


Egal, ob dieser sichere Wert eine positive oder negative Konsequenz für uns hat: wir wählen mehr davon. Denn immer das Neue oder Alte zu wählen oder immer den Schmerz, ist auch ein sicherer Wert.


Du weisst schon längst, dass eine deiner negativen Gewohnheiten sich verändern darf:

  • Ziellos auf Instagram und Facebook surfen oder mit dem Handy spielen: irgendwelche Informationen konsumieren und warten, bis dein neuer Flirt sich endlich bei dir meldet.

  • Unorganisiert / Chaotisch sein, deinen Haushalt, deine Dokumente, deinen Desktop nicht in Ordnung halten.

  • Zu viel Salz, Zucker, Koffein konsumieren.

  • Negativ über dich selbst oder andere denken oder sprechen.

  • Deiner Arbeit, allen anderen vielmehr Raum einräumen statt auch dir selbst gut zu schauen, indem du Pausen machst oder dem nachgehst, was dir wirklich am Herzen liegt und dich auch glücklich macht.

  • Du tätigst Einkäufe, die, obwohl du schon zig Paar Schuhe oder Pullover hast, gar nicht nötig sind.

In all diesen Beispielen - und davon gibt es definitiv noch viele - fehlt die Grenze. Das richtige Mass. Verrückt ist: dass wir dieses Mass an manchen Tagen haben, ebenso wahrnehmen und manchmal überhaupt nicht.


Es gibt jedoch auch andere Momente, die ich eher als Phasen bezeichnen würde. Phasen, in denen wir sehr strukturiert, organisiert, uns stark, klar fühlen und eher logisch, rational unterwegs sind und alles mit Leichtigkeit auf die Reihe bekommen. Und es dann wechselt zu dünnhäutig, sensitiv und sprunghaft, chaotisch. An beidem ist was dran und auch beides hat seine Berechtigung.


Wir pendeln: von einem Extrem ins andere. Die einen von uns stärker, die anderen weniger. Doch wir alle pendeln. Wir sind nicht statisch. Von der Zäsur, dem Verzicht von etwas wieder hin zu volle Kanone. Von der totalen Anspannung, Entspannung zur Erschlaffung und wieder zurück.


Die Einen jedoch merken nicht mehr, dass sie schon längst über den Zenit hinaus sind und sich in einer Extremität - sprich Polarität - eingenistet haben und sehen diese als ihre einzig wahre Realität und Möglichkeit an, denn sie kennen es nicht anders. Das erlebe ich bei Menschen mit einer sehr kontrollierten, fast zwanghaften Persönlichkeitsstruktur. Und in Kliniken bei Burnout Patienten.


Wie kann psychologisch eine Grenze verstanden werden?

In erster Linie ist es eine Metapher, die versucht etwas zu beschreiben, das räumlich, physisch, emotional, mental, energetisch mit mir in Bezug zu einem anderen Menschen oder Objekt beschreibt.


Eine Grenze, ist die Linie oder der Raum, wo ich aufhöre und der andere / das andere beginnt. Als Individuum die Fähigkeit zu haben, sich als abgegrenzt und gleichzeitig mit der Mitwelt verbunden zu erleben, wird in Zukunft immer bedeutender.


In der Tanztherapie, sprich in meinen Mentorings, Seminaren und Masterclasses arbeite ich mit dem Raum, ebenso mit der Haut als Körpergrenze, ebenso auch mit dem Bereich um den Körper, auch Kinesphäre oder Aura genannt.

Letzteres ist eine unsichtbare Grenze, in welchen andere nicht eindringen können, ohne Unwohlsein zu erregen. Dieser Raum ist nicht fest, sondern variiert in Abhängigkeit vom Gegenüber, von Befindlichkeit, Kontext und Kultur.


Eine Grenze beinhaltet gleichzeitig die Anerkennung meiner eigenen einzigartigen Existenz und diejenige einer anderen Person als von mir getrenntem Individuum mit eigenen Gedanken, Gefühlen und Motivationen (Epstein, 1994).


Eine Grenze begrenzt und definiert unser Selbst. Das selbst ist der Teil von uns, der das Empfinden, die Erfahrung oder das Bewusstsein hat, dass es von der Welt getrennt ist, aber dennoch in einer harmonischen Beziehung mit ihr lebt. Das Selbst ist flexibel und wird vom Organismus den aktuellen Umständen angepasst.


Dank einer Grenze verbessert sich der Selbstkontakt. Der Kontakt zu uns selbst, zu unserem Ich–Selbst.


Gewohnheiten können uns wie bereits erwähnt, zu uns oder weg von uns führen. Um eine bessere und differenziertere Unterscheidungsfähigkeit zu entwickeln, sind folgende Selbstreflexionsfragen hilfreich: Wenn ich weiter an dieser Gewohnheit festhalte, was habe ich davon längerfristig? Dient sie meiner Lebendigkeit oder dämpft sie sie?


Weitere Fragen können sein:

Wann merkst du, wann es Zeit für eine Umkehr bzw. einen Wechsel ist? Wann ist es Zeit, vom Aussen wieder zurück zum Innen zu finden oder umgekehrt?

Indem Moment, indem du merkst, dass es sich nicht mehr so gut und richtig anfühlt. Wenn sich leise, kleine Irritationen zeigen, die sich auch kumulieren und grösser werden. Sich bis hin zu einem Unfall oder einer Krankheit entwickeln.


Spätestens bei letzterem wirst du es hoffentlich merken, dass es Zeit für eine Umkehr ist.


Hilfreich dabei ist, sich nicht mehr länger zu fragen, warum das so ist und was könnte das Problem dahinter sein, sondern vielmehr diesen Moment anzuerkennen als ein Zeichen des Wechsels. Statt an ihm festzuhalten, auch üben, ihn loszulassen. Egal, um welchen Zustand es sich handelt.


Jeder Zustand ist wandelbar. Das liegt in der Natur der Dinge. Wir haben alle in der Tiefe die Sehnsucht nach Kontakt und Ganzheit. Und wie bei allem, kann es manchmal zu viel des Guten sein.


Frag dich weiter lieber Fragen wie: Was tut mir gerade besser? Bringt mich wieder mehr in Kontakt zu mir selbst? Wie kann mich mein Körper dabei unterstützen? Was dient gerade meiner Gesundheit? Was dient meinen Beziehungen? Worauf möchte ich gerade jetzt meinen Blick und meine Aufmerksamkeit richten? Was hat Relevanz? Und wann ist es auch einfach stimmig und gut, ganz einfach nur für sich selbst da zu sein?


Selbstkenntnis bedeutet, die Geschehnisse lernen zu beobachten, als das, was sie sind: Geschehnisse. Und ich habe die Fähigkeit sie jederzeit bewusst zu verändern. Dabei geht es nicht darum, sich selbst dafür zu verurteilen, dass wir Dinge tun, die wir tun. Sondern welche Motivation steckt dahinter, ebenso wollen wir etwas daran ändern oder eben nicht. Es braucht Anteile in uns, die prinzipiengetreu und gleichzeitig auch wandelwillig sind. Wir einerseits ein starkes Rückgrat haben, für uns beharrlich selbst einzustehen und gleichzeitig anpassungsfähig zu sein.

Etwas zu bewirken, sich deshalb auch in der Öffentlichkeit zeigen, ebenso gleichzeitig genügsam und zurückhaltend zu sein.


Anselm Grün meinte: "Führung beginnt immer bei der Selbstführung, bei der eigenen Menschlichkeit und dem eigenen Menschenbild. Mehr denn je heißt Führung heute, dem Leben dienen, Leben hervorlocken in den Menschen. Das gelingt nur mit demütiger Zurückhaltung und der klaren Absicht, andere erfolgreich zu machen."


Was immer du in deinem Leben verändern möchtest: Du beginnst bei dir. Bei deinen mehr oder weniger bewussten inneren Bildern und wie du bist und wie du zu sein hast. Du kannst das Leben beispielsweise als Kampf betrachten oder als Wunder. Die Wahl deiner Einstellung zu den Dingen bestimmt deine Freiheit!


Mehr denn je bin ich überzeugt, dass Veränderung und Entwicklung möglich ist. Und zwar selbstermächtigt und auch selbstbestimmt. Nichts beim Alten bleiben muss.


Deshalb: Komm, lass uns loslegen!


Quellen:

Epstein, R. S. (1994). Keeping boundaries: maintaining safety and integrity in the psychotherapeutic process. Washington: American Psychiatric Press.

Froesch, M. (2003). Stress und Grenzenziehen: Psychologische Effekte einer körperorientierten Intervention auf akuten sozialen Stress. Unveröff. Lizentiatsarbeit, Universität Zürich, Psychologisches Institut, Abt. Klinische Psychologie und Psychotherapie.

Schwager-Dudli, B. (1994). Die Wahrnehmung der Grenze. Körperliche und emotionale Veränderungen bei der Bewusstmachung des Eigenraumes. Unveröff. Lizentiatsarbeit, Universität Zürich, Pädagogisches Institut.


Zur Autorin:

Irina Katinka Horvath ist Mentorin in Selbstermächtigung. 20 Jahre unterrichtete und begleitete sie als Dipl. Sekundarlehrerin Phil I Jugendliche in verschiedenen Schulen und Institutionen, seit 10 Jahren Erwachsene in Ausbildung zur Tanztherapie. Nebenberuflich hat sie zuerst ihr eigenes Business aufgebaut, um Frauen in ihre Selbstermächtigung zu begleiten, ihre stärkste und freieste Version, ihr Bestes, privat und beruflich zu leben. Ihre Berufung ist es, das Leben mit gehaltvollen und ganzheitlichen Erfahrungen anzureichern und Menschen zu zeigen, wie sie selbst zu einer besseren Ausrichtung im weltlichen wie auch spirituellen Bereich finden. Wie sie Dinge in ihrem Leben auf den Weg und ihre Welt in Bewegung bringen können. Seit 2017 führt sie als Dipl. Kunsttherapeutin ED, Fachrichtung Tanz und Bewegung in Zürich eine eigene Praxis und baut ihr erfolgreiches Onlineunternehmen auf, um als Digitale Nomadin ihren Lebenstraum längerfristig zu erfüllen: auf der ganzen Welt unabhängig live und online mit vielen Menschen zu arbeiten, die etwas in dieser Welt für sich und andere positiv bewirken wollen. Wie es auch dir gelingt, selbstbestimmter, unabhängiger und trotzdem in Verbundenheit zu leben, erfährst du bei HEART EMPOWERMENT oder BEYOND LIMITS. Melde dich für ein kostenloses Erstgespräch bei Irina.


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