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Pechmarie oder Glücksqueen?

Aktualisiert: 15. Aug. 2022

Erlebst du gerade eine wunderbare, befreiend schöne, sommerlich leichte Zeit? Lebst Anteile von dir aus, die lange beiseite gelegt waren, zurückgehalten werden mussten, weil du auf anderen Lebensbühnen vorgängig besonders eingespannt warst? Singst, tanzt, lachst, bist unbekümmert, leicht und es geht dir so gut wie schon lange nicht mehr? Völlig sorglos und der Alltag, deine Kids, dein Verpflichtungen, dein Geschäft weit weg von dir? - Du fühlst dich einfach ekstatisch gut? So richtig eine Glücksqueen?


Oder siehst du zur Zeit gerade nur alles schwarz, weil alles, gefühlt den Bach runtergeht? Nichts läuft gerade so, wie du es dir vorgestellt oder schon länger dich dafür engagiert und anstrengt hast? Es fühlt sich gerade im Moment alles total ätzend an, und du würdest am Liebsten dich nur noch unter die Decke verkriechen? - Du fühlst dich einfach zum Himmelschreiend: schlecht? So wie eine Pechmarie?


Und wenn du genauer in dich hineinlauschst, ganz ehrlich mit dir selbst bist, dann bist beide Geschichten - einfach Du.


Wer kennt sie von uns nicht, die Tage, an denen wir die ganze Welt umarmen können, weil wir einfach so unsäglich glücklich und frei sind. Total belebt, inspiriert und voller Ideen und guten Gefühlen. Würden am Liebsten der ganzen Welt davon erzählen und andere daran teilhaben lassen. Wir fühlen uns ganz. Geliebt, angenommen. Und wünschen uns nichts sehnlichster, dass dieser Zustand noch so lange wie möglich hält.


Und dann gibts die Tage, da scrollst völlig lustlos auf Instagram, checkst andauernd deinen Whatsappstatus und siehst, dass alle anderen aus deinem Freundes und Bekanntenkreis total Spass haben, ein aufregendes Leben führen - nur du nicht. DU bist DIE totale Looserin! Um Himmelswillen, hoffentlich erkennt das nicht. Und du fühlst dich total von dir selbst, dem Leben und den anderen Menschen abgeschnitten.


Beides bist einfach - Du.


Und je nachdem, wie wir uns selbst sehen, welches Selbstbild wir von uns haben und welchen Selbstwert wir uns selbst zugestehen, sowie welche Werkzeuge wir haben, um in herausfordernden Momenten mit uns selbst einfühlsam, feinfühlig und liebevoll zu sein, kann der eine oder andere Zustand kürzer oder länger dauern.


Lust auf ein kleines Experiment?

Betrachte dieses Foto. Was siehst du?


Die verschlossene Türe, für die der Schlüssel fehlt?

Das vergitterte Fenster, das an ein Gefängnis erinnert?

Oder siehst du das fast offene Fenster, durch welches Luft reinkommt?


Bei den ersten beiden Interpretationen sehe ich wenig Gelegenheiten. Alles verschlossen. Eng. Nimmt mir die Luft zum Atmen. Erzeugt Stress. Und alles was ich will ist fliehen.


Bei letzterer Betrachtungsweise sehe ich Möglichkeiten.

Da kann Bewegung stattfinden. Das Fenster kann ganz geöffnet werden. Etwas von mir kann rein oder raus. Was immer das ist. Das fühlt sich schon viel entspannter und freier an.


Kennst du gerade selbst in deinem Leben solche Situationen, in denen du dich gefangen fühlst? Und du nur die fest verschlossene Türe siehst?

Vielleicht gerade in deiner beruflichen oder familiären Situation?


Und du siehst gerade wirklich nicht etwas anderes als die verschlossene Türe? Oder die vergitterten Fenster als Gefängnis?


Und du fühlst dich gerade wie ein Raubtier. Tigerst rum. Bist nervös. Unzufrieden oder genervt. Total im Angriffsmodus.

Oder du fühlst dich als Fluchttier. Auch das macht dich unruhig und du willst am liebsten wie Jeanny in der Flasche dich unsichtbar machen.

Oder du bist erstarrt. Schaust abwesend, apathisch.


In allen drei Formen geht einfach nichts mehr. Deine volle Aufmerksamkeit hat nur einen Fokus: auf das, was nicht stimmt. Das, was sich nicht gut anfühlt. Aufs Hindernis. Oder die Blockade. Völlig im Tunnelblick. Und es gibt gefühlt und gedacht gerade keinen Ausweg. Und dies stresst dich total. Deine Gedanken kreisen immer ums gleiche Thema. Dein Schlaf ist unruhig, Du bist gereizt oder leicht apathisch. Dein Körper fühlt sich träge, schwer und du fühlst dich darin unansehnlich an. Stress pur.


Ein kleiner Exkurs zum Thema Stress

Die biologischen Stressreaktionen wurden von dem US-amerikanischen Physiologen Walter Cannon in der sogenannten „Fight-or-Flight“ Theorie zusammengefasst. Er erforschte die neurobiologischen Abläufe der Reaktion von Tieren auf Bedrohung, und leitete daraus die Kampf-oder-Flucht-Reaktion ab.


Den Stressreaktionen von Kampf und Flucht werden durch den Forscher Jeffrey Gray noch zwei weitere Reaktionen hinzugefügt, nämlich Freeze – Einfrieren. Diese Schreckstarre lässt sich auch bei Tieren sehr gut beobachten, die sich im Angesicht von Bedrohung tot stellen. Kämpfen und Flüchten sind Reaktionen, weil Betroffene die Hoffnung haben so der Situation zu entkommen. Wenn diese Hoffnung nicht besteht oder die Situation ausweglos erscheint, folgt die Starre. Der Mensch ergibt sich der Situation und resigniert.


Stress ist ein Kurzzeit-Notfall-Programm. Das bedeutet, der Mensch ist nicht darauf ausgerichtet langanhaltend unter Stress zu stehen.


Die biologischen Stressreaktionen sind also heute noch genau die gleichen wie zu Zeiten von Jägern und Sammlern. Mit dem Unterschied, dass sie damals wirklich nur für eine bestimmte Situation aktiviert wurden: nämlich als schnelle psychische und physische Anpassung an Gefahrensituationen.


Lethargie, Depressionen und Burn-out sind die Folge von zu langem Stress, der nicht abgebaut wird. Doch soweit muss es gar nicht kommen!

Die Folge auch bei kurzzeitigem Stress:

Unsere innerpsychischen Schutzmechanismen werden ebenso hochgefahren. Die positiv als auch negativ - zum ganz grossen Teil ganz stark von der Kindheit geprägt sind. Das sind die im Gehirn gespeicherten Gefühle, Erinnerungen und Erfahrungen. Hierzu gehört das ganze Spektrum intensiver Gefühle wie unbändige Freude, abgrundtiefer Schmerz, Glück und Traurigkeit, Intuition und Neugierde, Gefühle von Verlassenheit, Angst oder Wut.

In diesem erlebten Seinszustand findet unsere Sichtweise und das Gefühlsleben komplett aus der unterbewussten emotionalen Ebene statt. Welche Emotionen wir also überhaupt in uns wahrnehmen, wie wir fühlen und mit welchem Lebensgefühl wir in der Welt sind, hängt demnach neben unseren angeborenen Fähigkeiten und Ressourcen von unseren Kindheitserfahrungen ab. Und bei Stress haben wir auch da einfach einen Tunnelblick.

Unbewusst und unreflektiert beherrschen sie uns bei Stress in Form der nachfolgend genannten kleinen Auswahl an Schutzstrategien - welche wir übrigens ALLE unterschiedlich stark ausgeprägt haben!

Projektion und Opferdenken

Projektion und Opferdenken durch die Angst, nicht zu genügen oder ausreichend zu sein.


Harmoniestreben und Überanpassung

Harmoniestreben und Überanpassung durch die Angst davor, von anderen Menschen abgelehnt zu werden. Du sagst nicht laut, was du möchtest. Oder du weisst sogar oft nicht, was du möchtest.


Helfersyndrom

Du hast ein ausgeprägtes Helfersyndrom aus der Angst heraus, keinen Platz zu haben, wenn du nicht für andere da bist. Du hast Angst vor der eigenen Bedeutungslosigkeit. Du hast das Gefühl, für alles verantwortlich zu sein und anderen zu helfen, damit die eigene Hilfebedürftigkeit nicht gespürt werden muss. "Ich helfe anderen" führt zur eigenen Aufwertung.


Machtstreben

Du fühlst dich klein und unterlegen. Deshalb projezierst du potenzielle Überlegenheit und Dominanz in deine Mitmenschen. Deine Reaktion darauf ist Ablehnung und passiv-aggressives Verhalten. Du teilst deinen Willen nicht offen mit und baust eine Verweigerung durch kleinere und größere Sabotageakte auf. Du verbirgst dich hinter der Tarnung der äußerlichen Ruhe.


Kontrollstreben

Kontrollstreben als Angst vor dem Chaos und dem Untergang der eigenen Person. Du hast Angst, angreifbar und verletzlich zu sein.


Angriff und Attake

Angriff und Attake als Angst vor der inneren Verletzlichkeit.


Ich bleibe Kind

"Ich bleibe Kind"-Verhalten als Angst vor der Übernahme von Verantwortung. Du gibst gerne die Verantwortung an andere ab und passt dafür deine eigenen Erwartungen an. Du hast eine geringe Frustrationstoleranz und umso mehr einen großen Bindungswunsch. Du fühlst dich daher abhängig und verdrängst Schwierigkeiten in einer Beziehung.


Flucht, Rückzug und Vermeidung

Als Ablenkung von den Selbstzweifeln sorgst du für eine permanente Geschäftigkeit. Innerlich gehst du "offline". Eventuell hast du Süchte als Ablenkung von Sorgen und Problemen.


Narzissmus

Narzissmus verdrängt Gefühle der Wertlosigkeit und der Unterlegenheit. Du konstruierst ein ideales Selbst, welches nicht der Realität entspricht.

Durch Abwertung anderer Menschen oder ätzender Kritik an anderen Menschen versuchst du dich selbst aufzuwerten. Eine neue Liebe wird erst idealisiert und dann durch Angeben mit Fähigkeiten, Besitztümern und Unternehmungen abgewertet.

Sie fühlen sich extrem leicht gekränkt und Ihre vorherrschenden Emotionen sind Wut und Groll.


Tarnung, Rollenspiel und Lügen

Durch Tarnung, Rollenspiel und Lügen begegnest du der Angst vor Ablehnung. Du zeigst kein authentisches Verhalten, spielst Rollen oder versteckst dich hinter einer Maske.


Das Eingestehen der Selbstschutzmechanismen ist ein äusserst wichtiger Schritt im persönlichen Wachstumsprozess. Und kann ein eher leichter oder ein schwerer längerer Prozess sein. Je nachdem, wieviel du bereits an dir selbst und an deiner Persönlichkeit gearbeitet hast. Und vorallem auch, wie sehr du hinsehen und etwas verändern möchtest. Denn: sich selbst zu erkennen bedeutet nicht, ich-bin-eben-halt-so sondern es bedeutet vielmehr: ok, wie kann ich daran wachsen und dieses Verhalten auch in Stresssituationen verändern?

Die Lösung:

Lerne dich und deine Stressauslöser, deine Stress– und Schutzmechanismen besser kennen und zwar, wenn es dir gut geht! Also dann, wenn du in der Glücksqueen am Schweben bist!


Das ist Vorsorge und Prävention!


Lerne deine inneren Anteile kennen: Welcher freezed, welcher geht in Kampfmodus, Welcher geht in Rückzug. Diese Teile-Arbeit oder auch Egostate genannt, geht auch mit deinen Schutzmechanismen.


Zusammen mit einer dazugehörigen Körperwahrnehmung stärkst du damit dein Widerstandsfähigkeit gegen Stress,


In meinen Vorträgen, Workshops, Seminaren und Mentoring bekommst du immer wertvolle Tools an die Hand, wie du dich dann selbst an die Hand nehmen kannst und dich selber "regulieren" kannst. Insbesondre wenn du eben in der Pechmarie "festzustecken" scheinst.

Und zum Schluss noch eine kleine Geschichte zu obigem Foto:

Heute Morgen am Strand von Benirass auf Ibiza habe ich mit einer Lieblingskundin bei der Herzchakrameditation, diesen besagten Bildausschnitt bei der Bewegung nach hinten vor mir gehabt. Und ich habe frei dazu assoziiert, so ist dieser Blogartikel entstanden. Für diejenigen, die noch nicht wissen, was die Drehbewegungen nach hinten bedeuten: sie stehen für Vergangenheit und Ahnenwissen.


Beim vollen Zirkel der Meditation habe ich mir dann bewusst einen neuen Ort gesucht. Nach ein paar Minuten kam dann ganz neugierig und ganz lässig ein Mann. Und stand dann genau hinter mir, aufs Meer blickend.

Er hielt mir den Rücken frei.

Schön, oder?


Alles Liebe

Irina

Irina Horvath Blogartikel Schutzmechanismen inneres Kind Resilienz stärken Flight Fight Freese

Zur Autorin:

Irina Katinka Horvath ist Expertin in Selbstermächtigung. 20 Jahre unterrichtete sie Jugendliche, seit 10 Jahren Erwachsene in Ausbildung zur Tanztherapie. Nebenberuflich hat sie zuerst ihr eigenes Business aufgebaut, um Frauen in ihre Selbstermächtigung zu begleiten, ihre stärkste und freieste Version, ihr Bestes, privat und beruflich zu leben. Seit 2017 führt sie in Zürich eine eigene Praxis und baut ihr erfolgreiches Onlineunternehmen auf, um als Digitale Nomadin ihren Lebenstraum längerfristig zu erfüllen.