6 Schritte, um im Streit trotzdem mit dem Herzen verbunden zu bleiben…

Aktualisiert: 13. Aug 2018

von Irina Katinka Horvath. Sind unsere Bedürfnisse nicht erfüllt, sitzen wir alle im selben Boot. Unzufriedenheit, Wut, Trauer oder Ohnmacht machen sich breit und unser Körper zieht sich innerlich zusammen, fühlt sich unwohl. Das Denken ist eingeschränkt und wir haben nur noch einen Tunnelblick.

Ohne Bewusstsein geraten wir mit unserem Gegenüber rasch in einen Streit. Ein Wort ergibt das andere und die Eskalation ist in ihren Bahnen. Wie kann die Offenheit und Neugier dem Gegenüber beibehalten werden, gerade wenn es schwierig wird? Wie kann der Körper in solchen Situationen eine wertvolle Ressource sein und den Anstoss geben aus alten verhafteten Mustern auszusteigen?

Auch im Konflikt mit dem Herzen verbunden sein. Foto: Neonbrand auf Unplash

Wie es dazu kommt, dass wir uns ohnmächtig fühlen

Wenn Menschen nicht informiert, nicht gehört oder sich getäuscht fühlen, dann ist der Grund für Streit gelegt. In der Hoffnung, dass ein Streit prompt vom Tisch ist, zieht sich der eine Partner eiligst innerlich zurück oder der andere gibt patzig eine Antwort mit allfälliger Kritik, Abwertung, Belehrung oder Beurteilung und damit hat es sich. Denn in diesem Moment zählt meistens nur die eigene Sichtweise, die als einzig «richtig» oder «angemessene» betrachtet wird.


Jedoch schwelt der Konflikt, das Unausgesprochene, modert trotzdem im Untergrund weiter vor sich hin. Und je länger darüber geschwiegen wird, birgt dies in sich die Gefahr, dass der Konflikt im Unterbewussten weiterschwelt und grösser wird. Dies macht uns überhaupt nicht freier, sondern bindet uns an negative Gedanken und Gefühle. Wir gehen immer mehr auf Distanz. Bis eines schönes Tages die Fetzen fliegen und im schlimmsten Fall die Wertschätzung und der Respekt voreinander verloren gegangen sind.

Um aus dieser Negativspirale auszusteigen, ist es wichtig, dass die Situation bewusst und wertfrei angeschaut wird. Was mit einer unverschlossenen Zahnpastatube im Bad, einer unklaren Whatsapp–Nachricht oder unerledigter Gartenarbeit ihren vermeintlichen Anfang genommen hat, ist genauer betrachtet nur die Oberfläche. Hier wird es wichtig, genauer und tiefer hinzuschauen, um den darunterliegenden Konflikt ans Tageslicht zu bringen.


Unsere Prägung erklärt die eigene Welt

Die Art und Weise wie wir kommunizieren und welche Werte dahinterstecken, haben ihren Ursprung in unserer Prägung. Indem ich den Blick auf meine eigene Familiengeschichte lege, finde ich schon mal Klarheit darüber, weshalb mich ein nicht abgewaschenes Glas im Office nach der Pause so nervt. Und dann geht das Ganze noch weiter. Auch das Schulsystem, die Kirche, die Gemeinde, der Staat beeinflussen unsere Werte und die Kommunikation. In erster Linie jedoch ist es immer das Familiensystem, das den Grundstein gelegt hat.

Die eigenen Werte zu kennen und diese auch zu hinterfragen, ermöglichen, sich mit der eigenen Identität auseinanderzusetzen. Denn Konflikte lassen sich nicht durch jene Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. Hier geht es definitiv um ein Thinking–out–of–the–Box!


Sobald wir unseren Geist öffnen für alles, was sonst noch möglich ist, Gegebenheiten zu hinterfragen, mögen wir darauf kommen, dass wir auch ganz anders hätten reagieren können, anstelle von Wut, Kritik, Rückzug oder Trauer.

Ich erlebe es in meiner Arbeit häufig, dass es um ein Sich-selbst-hören-und-Sehen geht. Inne zu halten und zu lauschen. Wer ist denn da verletzt? Welcher Teil von mir? Meistens handelt es sich um meinen eigenen verletzten Kinderanteil, der es dringend nötig gehabt hätte, in diesem Moment wahrgenommen zu werden. Eigentlich von Mama oder Papa. Und jetzt projiziere ich einfach alles in mein Gegenüber hinein. Er soll doch bitte…oder sie, damit es mir besser geht…


Bad News: das funktioniert leider nicht.


In 6 Schritten, was du in diesem Moment tun kannst

Möchten wir eine gleichwertige und ich meine WIRKLICH gleichwertige Beziehung leben – auch wenn es mit meinem Arbeitskollegen oder Chef ist – dann kann ich nicht erwarten, dass gerade von ihm oder ihr meine Bedürfnisse gestillt werden. Dafür bin ich selbst verantwortlich. Alles, was ich in diesem Moment tun kann, ist:


  1. Innehalten und merken, dass ich voll in einer Projektion oder Interpretation bin.

  2. Dass mein Gegenüber einfach auf meinen roten Knopf gedrückt hat! Hallelujah. Dankeschön, ich habe gerade die Möglichkeit etwas zu lernen.

  3. Wahrnehmen, wie mein Körper gerade in dieser Situation reagiert. Welche Körperempfindungen habe ich wo? Wie kann ich bewusst meinen Atem einsetzen, meinen Körper bewegen, um neue Impulse zu setzen.

  4. Welche Gefühle tauchen auf? Und diese einfach wahrnehmen, ohne sie zu bewerten.

  5. Und was wäre in dieser Situation eigentlich mein Bedürfnis? Versuchen dies herauszufinden und zu formulieren.

  6. Und wie kann sich mein Bedürfnis, OHNE Erwartungen an mein Gegenüber, erfüllen?

  7. Versuche dies sehr allgemein als eine Bitte in Form einer Frage zu nennen.


Wenn es dir schwerfällt, deine Bedürfnisse zu erkennen oder zu formulieren, dann sei milde zu dir. Beides sind Dinge, welche wir in unserer Erziehung nicht gelernt haben. Die meisten von uns, sind in einer patriarchalisch geprägten Dominanzkultur aufgewachsen. Macht-über war ganz gross! In der heutigen Zeit haben wir vielmehr Möglichkeiten und definitiv die Erlaubnis diese alten Werte zu transformieren. Vorwiegend unsere eigenen zu leben.

Im herzoffenen Gespräch zu meinem Gegenüber kann ich dann meistens feststellen, dass trotz aller Unterschiedlichkeit in der Prägung die Werte oder Ziele häufig gleich oder sehr ähnlich sind. Und so kann wieder eine Verbindung zueinander entstehen. Der Blick in die gleiche Richtung kann gerichtet und gemeinsam nach Lösungen gesucht werden.


Die Kunst in einem Streit ist es…

mit dem Herzen verbunden zu sein, heisst also, sich bewusst zu sein, dass es immer in einem Konflikt um meine eigene Geschichte geht und ich dafür verantwortlich bin, diese nicht auf mein Gegenüber zu projizieren. Der Körper und der Atem können dabei als Anker dienen, um aus einer alten Erfahrung auszusteigen (mehr dazu unter: Das Gedächtnis des Körpers – und wie Tanzen unsere Erinnerung transformiert).

Lerne grösser und aus deiner Box zu denken! Es dreht sich nicht immer nur um dich. Dein Gegenüber ist ein gleichwertiges Wesen. Indem ihr euch gegenseitig mitteilt, was gerade in dir an Empfindungen, Erinnerungen und Gedanken abläuft, macht ihr euch in eurer Verletzlichkeit sichtbar. Klar, das braucht auch Mut. Jedoch stärkt dies das Vertrauen in eure Beziehung. Das nährt das gegenseitige Verständnis füreinander. Und wesentlich: die Wertschätzung, die Gleichwertigkeit und den Respekt.


Und dann auch hier: dranbleiben!

Einfühlsam begleitet Irina Katinka Horvath dich mit Tanz, Ausdruck und Kreativität in deinen persönlichen Entwicklungs–prozessen, ist Space Holderin und Impulsgeberin für mehr Freiheit, weibliche Selbstbestimmung und Soul-Life-Alignment: nicht an den sichtbaren Grenzen stehenzubleiben, sondern tiefer in das Leben einzudringen, welches du wirklich leben möchtest!


Dazu bietet sie dir OnetoOne Coachings, Online Gruppentraining, Souldancerjourneys und mehr an. Hier kannst du dich neu erfinden, deine Stärken entfalten und Sicherheit bekommen, wie du deinen schöpferischen Lebensausdruck in die Welt bringen kannst!


Mehr zu ihrer Arbeit findest du hier: www.irinahorvath.com


Foto: Pascal Bovey


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